Dezember 2011 – Januar 2012: von der Tugend des Winterwaldes und einer Selbst-Coaching Übung zum Jahresrückblick
Ich komme gerade aus dem Tegeler Winterwald und war wieder einmal sehr froh hier zu leben und zu arbeiten. Das Sonnenlicht bricht sehnsuchtsvoll durch die unverschneiten Zweige, das Laub federt als satter Teppich unter den Füßen. Die Bäume und Pflanzen des Waldes befinden sich in verschiedenen Stadien des Lebens, im Aufbau und im Abbau. Alles ist in Harmonie und jedes Teil leistet seinen Beitrag zur perfekten Balance dieses Ökosystems. Inmitten dieser tröstenden Vollkommenheit musste ich an die gerade zurückliegende Lektüre für meine Dissertation zu Weisheit denken (empfehlenswert und gut verständlich: Julian Nidan-Rümelin: Die Optimierungsfalle – Philosophie einer humanen Ökonomie). Dort wird der Begriff der areté ausgeführt (meist übersetzt als: Tugend). Der Begriff aus der antiken griechischen Tugendethik benennt die Eigenschaft von Personen oder Dingen, die durch ihre Tauglichkeit herausragen, die vortrefflich sind. Nicht nur Personen können nach dem antiken Verständnis arete haben, sondern auch Dinge (Quelle: Wikipedia). Die arete des Waldes ist seine naturhafte, heilsame Gegenwart. Wenn ich ein iPhone oder ein exzellentes Kleidungsstück anfasse, spüre ich die arete von Material und Design. Für den Coach ist arete zum Beispiel verkörpert in Präsenz und Zuhören. Für die Märchenfigur Momo beschreibt der Autor Michael Ende, was Zuhören bewirkt: Momo hört in einer Art zu, dass Ratlose auf die Lösung ihrer Probleme ganz allein kommen und Mutlose sich getröstet fühlen.
Zum Jahresabschluss: die Zeit zwischen den Jahren und der Jahresanfang dienen seit jeher dazu, zu entrümpeln und Altlasten jeder Art loszuwerden sowie flow-Zeit für die strategische Ausrichtung zu genießen. Für die Reinigung von Räumen hat sich das in allen Weisheitstraditionen praktizierte Ritual des Räucherns mit Weihrauch oder Salbei bewährt. In diesem Jahr ging es bei uns einfacher. Unser Wohnzimmer duftet jetzt intensiv nach Tannennadeln und der verbrannte Adventskranz fristet ein Restdasein auf dem Balkon. Genug geräuchert!
Ein ungefährlicheres Jahresendritual möchten wir für den Abschluss von 2011 daher noch mitgeben. Es ist ein Teil des Biografischen Coachings und unterstützt zu reflektieren, was gewesen ist. Interessant wird die Übung in den folgenden Jahren, wenn man das Aufgeschriebene vergleicht (Zur Quelle: Die genaue Quellenangabe ist mir leider nicht mehr möglich, da ich die Übung vor Jahren aus einem Kalender zur Adventszeit entnommen habe. Ich stelle sie hier in meiner leicht modifizierten Form vor).
Man braucht dazu: ein möglichst großes Blatt, am besten in Größe eines Zeichenblocks. Buntstifte oder Filzstifte, eventuell Euren Kalender, um Ereignisse nachvollziehen zu können. Los geht’s. Einen großen Kreis auf das Blatt zeichnen. Im Folgenden geht es darum, Aspekte des Lebens zu reflektieren, wie Abschied, Neubeginn, Chancen, Risiken, Gesundheit, Freundschaft, Beruf etc. und dazu in verschiedenen Farben Stichworte in den Kreis zu schreiben. Dazu unterteilt man den Kreis in „Tortenstücke“, so viele, wie man Aspekte reflektieren möchte. Begriffe zum Jahresrückblick, die sich bewährt haben sind zum Beispiel:
Was habe ich losgelassen/beendet; Was habe ich neu angefangen; Welche Personen verabschiedet; Welche Personen neu kennen gelernt oder Bekanntschaften intensiviert; Welche Chancen gab es (verpasste/ergriffene); Welche Risiken; Gesundheit; Träume; Ärger; Personen die ich unterstützt habe; Unterstützung, die ich erhalten habe von…; Persönliche Entwicklung wo?; Menschen, die ich nicht missen möchte (Liebe für); Menschen, die mich nicht missen möchten (Liebe von); ….
Soweit die Anregungen – lassen Sie sich und lasst Euch inspirieren.