Guido Fiolka über Führung und Bewusstsein, Folge 2: Stärke
Es lassen sich mindestens 10 Qualitäten, Komponenten von menschlichem Bewusstsein ausmachen, die wir ausreichend zur Verfügung haben müssen um fundamentale Fähigkeiten der Führung und Kommunikation aufzubauen. Im letzten Post ging es um die Erste: Freude. Heute folgt Nummer zwei: Stärke.
Zwei kurze Begebenheiten, um zu veranschaulichenn was geschehen kann, wenn dieses Element des Bewusstseins nicht mehr zur Verfügung steht:
Der Geschaftsführer eines mittelständischen Unternehmens kommt zu mir ins Coaching, da er morgens nicht mehr entscheiden kann, welches Hemd und welche Krawatte er tragen soll. Ein anderer Manager, Mitte 40, später Patient eines mir bekannten Arztes, steht an einer Haltestelle und ist nicht mehr in der Lage in die Strassenbahn einzusteigen um damit zu seinem Büro zu fahren.
In beiden Fällen ist das Element von Bewusstsein nicht mehr vorhanden, das sich mit Stärke bezeichnen lässt. Es ist die unserem Bewusstsein innewohnende Energie, die sich in allen geistigen und körperlichen Bewegungen entfaltet und unser Handeln möglich macht. Selbstverständlich gibt es auf der physisch-körperlichen Ebene Korrelate zur Bewusstseinsstärke, die sich im Stoffwechsel und im Hormonsystem bestimmen lassen. So waren bei dem Mann an der Haltestelle bestimmte Pegel "auf Null", wie seine Laboruntersuchungen ergeben haben. Jedoch schöpfen wir Stärke ebenso aus unserer Psyche, bestimmen unsere Gedanken und Emotionen den Level an Energie, den wir zur Verfügung haben um aktiv zu sein. So be-stärken uns positive, zuversichtliche Gedanken und schwächen uns negative Gedanken und Zweifel. Davon wissen Psychosomatik und Kinesiologie einiges zu berichten.
Stärke sorgt für Vitalität und Dynamik - ist sozusagen unsere Lebenskraft schlechthin. Das klingt fast banal. Ist es aber nicht. Differenziert betrachtet brauchen wir Stärke um wichtige Fähigkeiten zu entwickeln.
- Kraft und Dynamik
- Entscheidungs- und Differenzierungsvermögen
- Mut
- Konfrontationsvermögen
- Selbstvertrauen und Durchsetzungskraft
Damit sind wir endgültig beim Thema Führung angekommen, denn diese Fähigkieten lassen sich in einer ganzen Reihe von Führungskompetenzmodellen wiederfinden. Ausreichend Stärke zu haben und immer wieder aufzubauen ist eine Kunst - gerade in der heutigen Zeit, wo es viele Faktoren in uns selbst und im Umfeld gibt, die uns Stärke kosten können. Ein viel diskutierter Faktor ist ständige Aktivität ohne ausreichend Zeit und Raum für Ruhe und Besinnung. Hier kann ich aktuell aus eigener Erfahrung berichten. Ich bin gerade im Urlaub und konnte in zwei Wochen mit viel Natur und freier Zeit wieder ein ganz neues Niveau von Stärke erreichen. Es ist gefühlt so, als hätte der Kontakt mit Wasser, Sonne, Erde und Pflanzen mich rückverbunden mit der Kraft des Planeten auf dem ich als Stadtmensch schliesslich lebe.
In den letzten Wochen und Monaten habe ich mir das nur wenig ermöglicht. Die Auswirkungen davon konnte ich dann sehr deutlich wahrnehmen. Zuletzt war es bereits anstrengend ein Telefonat zu führen oder die täglichen Mails zu lesen. An meinen Reaktionen in schwierigen Situation konnte ich beobachten, dass mir die vertraute Geduld und Nervenstärke nicht mehr wie gewohnt zur Verfügung stehen.
Jetzt fühlen sich mein Körper, mein Geist und damit alles um mich herum, wieder energievoll, lebendig und "geladen" an. Natürlich gewinnen wir Stärke nicht nur durch Naturerlebnisse, Ruhe und Erholung. Auch Aktivität, Erfahrung und sich anstrengen führen zum Aufbau von Stärke. So wie bei einem Leistungssportler die körperliche Wettkampfstärke durch intensives Training. Nur sollte alles im rechten Maß und sehr bewusst geschehen. Auch Yoga, Meditation und mentales Training sind sichere Quellen zum Aufbau von Stärke. Nicht zuletzt sind es die Teilnahme am sozialen Leben, der Kontakt zu Freunden, Partnern und Familie und das Ausüben einer Tätigkeit, die ein Bewusstsein von Sinnhaftigkeit und Erfüllung zur Folge hat. Meinen Rhytmus haben, in mir und in meinem Umfeld zu Hause sein, so lässt sich der Zustand vielleicht beschreiben, der zur Erhaltung und zum Aufbau von Stärke führt.
Eine wichtige Erkenntnis zum Schluss: Es ist notwendig zuerst für die Bedingungen zu sorgen, um Stärke in genügendem Maße aufzubauen, um dann die gewünschte Leistung zu erbringen. Weniger sinnvoll ist diese Reihenfolge: Zuerst muss ich hohe Leistungen im Beruf bringen, dann leiste ich mir die Dinge, die mir Stärke geben. Menschen die dauerhaft sehr erfolgreich und glücklich sind, wählen immer die erste Option.
